Geschichte Konfessionen

Der Streit um die Konfessionen

Die St.Martin geweihte Bischhäuser Kirche ist scheinbar die Urpfarrei und später der geistige Mittelpunkt der umliegenden Orte gewesen. 1357 wird der Stuhl, "sedes“, Bischhausen genannt, zu dem damals Berge als Vizepfarrei und andere Pfarreien gehörten. Wahrscheinlich sind auch Unterrieden und Eichenberg Tochterkirchen von Bischhausen gewesen. Hebenshausen und Neuenrode haben allen Anschein nach schon damals zum Kirchspiel Berge gehört.

 


Landgraf Moritz von Hessen suchte, wie überall in seinen Lande, im Jahre 1607 auch im Kirchspiel Berge das lutherische Bekenntnis durch das reformierte zu ersetzen.
Ein kleines Vorspiel dieser Kämpfe brachten bereits die Jahre 1601 "bis 1605. Der damalige Patron Hans Wilhelm von Bischoffshausen hatte den bisherigen Geistlichen Jordan wegen persönlicher Zwistigkeiten seines Amtes enthoben und an seine Stelle den Pastor Andreas Gebhardt aus Herberhausen gesetzt. Die zuständigen Göttinger Kirchenkommissare übersahen auf Anraten des Mündener Generalsuperintendenten den Übergriff und gaben dem neuen Geistlichen ihre Bestätigung. Der abgesetzte Pfarrer aber beschwerte sich in Kassel und fand dort auch Gehör. Das sein Nachfolger ihm die Melioramente schuldig blieb, wurde für den Eschweger Superintendenten Reinmann zum Anlaß, die Angelegenheit zu untersuchen, was natürlich bei dem Herrn von Bischoffshausen auf Widerstand stieß. Schließlich ließ der Superintendent dem Pfarrer Gebhardt durch den Küster von Marzhausen sagen, seine Winkelzüge und Ausflüchte würden ihm nichts nützen. Nach Ostern werde er in Marzhausen und Berge visitieren und sich durch keine Gewalt davon abhalten lassen.

 


Daraufhin wandte sich Gebhardt an den Amtmann von Brackenberge, der dem Dransfelder Superintendenten Tornejus schrieb, die Calvinisten seien willens, nächsten Sonntag eine Veränderung zu versuchen. Weil er selbst verhindert sei, möge der Superintendent den Göttinger Oberamtmann Wissel bitten, mit Mannschaften zur Stelle zu sein. Dieser sorgte dann auch dafür, daß die für Oktober geplante hessische Visitation nicht zustande kam.


Als dann in den nächsten Jahren auch Berge reformiert werden sollte, wurde Gebhardt 1607 durch den Witzenhäuser Superintendenten zu einer Unterredung nach Eschwege geladen. Der Oberamtmann Wissel verbot dem Geistlichen jedoch das Erscheinen und schrieb auch an Hans Wilhelm von Bischoffshausen in diesem Sinne. Aus Furcht vor diesem, seinem Patron, ging Gebhardt aber doch nach Eschwege und überreichte dort das Schreiben von Oberamtmann Wissel. .Darauf ließ ihn der Superintendent unbefragt gehen. Auch der Generalsuperintendent von Münden hatte dem Geistlichen verboten, dem Befehle des Landgrafen vom Hessen zu gehorchen.
Im Jahre 1622 wurde noch einmal der Versuch gemacht, einen reformierten Geistlichen in Berge einzuführen. Die von Bischoffshausen behaupteten nämlich, das Haus Lüneburg habe ihnen die Besetzug der Pfarrei zugestanden, ohne jedoch einen Beweis dafür erbringen zu können. Der Oberamtmann Wissel war aber auf der Hut und beauftragte seinen Schutzbefohlenen, den Pastor Gebhardt, ihm zu schreiben, was die Hessen an "Attentaten" unternehmen würden. Dieser war nach seinen eigenen Worten den Kalvinisten der Nachbarschaft ein spitziger Dornenstrauch, zumal er etliche dem Luthertum zugetane Adelige auf ihren Häusern mit dem Worte Gottes versah und auch Bürger und Bauern von der Werra sich von ihm das heilige Abendmahl reichen ließen. Die Hessen hatten die Absicht, ihn bald einmal auszuheben, doch der Oberamtmann Wissel hielt seine schützende Hand über ihn.


Die Wirren des Dreißigjährigen Krieges scheinen den Kampf um die kirchliche Oberhoheit des Dorfes neu entfacht zu haben. Nach dem Tode Gebhardts präsentierte der Patron dem Kasseler Konsistorium den in Wahlhausen durch die Jesuiten vertriebenen Pfarrer Ludolf Krull. Als sich dieser aber nicht zur Prüfung vor dem Superintendenten von Rotenburg einfand, wurde der reformierte Pastor Nikolaus Josephi unter Anwendung von Gewalt in Berge eingeführt. Der Oberamtmann Wissel erhielt jedoch den Auftrag, den Kalvinisten nicht zu dulden. Krull aber wandte sich mit der Bitte um Einführung persönlich an das Konsistorium in Wolfenbüttel. Kaum war seinem Wunsche entsprochen, da beschwerte sich der Landgraf von Hessen darüber, weil die Hälfte der Dörfer Berge und Hebenshausen nebst dem Kirchenlehen lüneburgisch (also nicht dem Hause Wolfenbüttel zuständig sei. Berge hatte nunmehr zwei Geistliche, die jedoch beide während des schlimmen Jahres 1626 starben.
Jetzt führte Wolfenbüttel den Georg Ströver ein, während die Gegenseite den Magister Johann Wischmann ernannte. Bald erschienen die Hessen mit einigen Schützen in Berge und erklärten die Pfarrei für aufgehoben. Den Einwohnern wurde bei Vermeidung von 200 Gulden Strafe befohlen, Ströver nicht zu hören. Weil er auch von den hessischen Beamten in der Verrichtung seines Amtes behindert wurde, suchte er beim Amtmann von Friedland Schutz und Hilfe.
In Berge sah es in jener wahrhaft schlimmen Zeit traurig aus. Viele Leute waren vor den wilden Kriegshorden geflohen, die Häuser samt der Pfarrei waren verwüstet und nicht bewohnbar, die Länder waren unbebaut. Dazu plagte der Schultheiß von Witzenhausen die Bewohner und ließ sie einsperren, so daß sie schließlich lieber einen hessischen Prediger wollten als einen hannoverschen - nur um des lieben Friedens willen.


Aus dem gleichen Grunde machten der Friedländer Amtmann und der Uslarer Superintendent den Konsistorium den Vorschlag, einstweilen denen von Bischoffshausen die Besetzung der Pfarrstelle zu überlassen. Die Behörde erklärte sich schließlich im Jahre 1631 einverstanden, falls der lutherische Charakter der Stelle gewahrt bleibe. Als trotzdem bereits im nächsten Jahre ein reformierter Prediger, Kaspar Wassermann, für Berge und Hebenshausen bestellt und am 11. November 1632 unter dem Schutze von 300 bewaffneten Mannen eingeführt wurde, sollte nach dem Willen der hannoverschen Behörden der inzwischen in Hedemünden angestellte Pastor Ströver in den beiden Gemeinden eingeführt werden und sie von Hedemünden aus versehen. Ströver bat jedoch dringend, ihn damit zu verschonen.
Als das Pfarramt zu Berge nach Wassermanns Tode 1641 frei wurde, fertigte Wolfenbüttel am 21. Januar sofort Johann Coppen als Geistlichen nach Berge ab, doch bereits nach 20 Tagen zwang ihn Hessen mit einen Aufgebot von 300 Mann zu Fuß und zu Roß, von der Kanzel zu steigen und das Gotteshaus zu verlassen.
Wie dieser Streit geschlichtet wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Doch behielt Hannover bis in die neue Zeit die kirchlich Oberhoheit.
Berge und Hebenshausen sind heute noch lutherisch und haben sogar das Gesangbuch der Hannoverschen Landeskirche beibehalten.
 
Die jüdische Gemeinde

In Hebenshausen wohnte eine beträchtliche Zahl von Juden. Um das Jahr 1830 waren von den 537 Einwohnern nicht weniger als 92 jüdisch. Dies mag daher kommen, dass an den Juden schon zur damaligen Zeit eine gewisse Beschränkung auferlegte, so dass sie sich nur in bestimmten Orten ansiedeln durften. Von Hebenshausen aus trieben die Juden einen schwunghaften Handel mit Vieh, Wolle und Manufakturwaren.
Die Synagoge, die mitten im Ort liegt und auch der jüdische Friedhof sind noch heute vorhanden. Die Synagoge wurde 1848 erbaut. Bis 1908 fand noch regelmäßig Gottesdienst statt. Er wurde jedoch dann eingestellt, weil keine 10 männlichen Personen mehr daran teilnahmen. Anschließend fanden in größeren Zeitabständen noch Lesegottesdienste statt, die aber nachher ebenfalls eingestellt wurden.


Als die Gleichstellung der Juden kam, wurde die jüdische Gemeinde immer kleiner. Die meisten Juden zogen in die größeren Städte, weil sie von hier aus besser handeln konnten oder sich auch Geschäfte einrichten konnten. Heute gibt es keine Juden mehr in Hebenshausen.
Im Jahre 1937 verkaufte die israelitische Gemeinde Witzenhausen die Synagoge, die heute umgebaut als Scheune Verwendung findet.

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